kath. Kirche

Kirchengebäude Baugeschichte der Pfarrkirche von Oberloisdorf Im Jahre 1971 wurde die Pfarrkirche einer gründlichen Renovierung unterzogen. Der Putz wurde abgeschlagen, wobei einige Bauphasen festgestellt werden konnten: Der älteste Teil der Kirche und des Turmes stammt aus dem 14. Jahrhundert. Er dürfte zur Zeit der Klostermarienberger Herrschaft errichtet worden sein. Die Kirche von Oberloisdorf war lange Zeit im Besitz der Lutheraner, (unter Thomas Nádasdy hatten ab 1558 evangelische Prediger, ab 1591 Lutheraner die Kirche im Besitz), wurde aber 1660 von Graf Franz III. Nádasdy den Katholiken zurückgegeben. Um 1627 wurde eine Glocke gekauft und die Kirche wahrscheinlich den Pestheiligen Fabian und Sebastian geweiht. Spätere kanonische Visitationen erwähnen einen hölzernen dreiteiligen Chor und eine flache Holzdecke. Nur der Altarraum und die Sakristei waren gewölbt. Damals dürfte der Kirchturm die heutige Form erhalten haben. Auf einer Putzschicht über einem Schallfenster konnte die Jahreszahl 1671 erkannt werden. Auch der Innenraum wurde umgestaltet. Der neue Altar wurde der schmerzhaften Mutter geweiht. Das Allerheiligste wurde nun im Tabernakel auf dem Altar und nicht mehr in einer Mauernische aufbewahrt. Die erste Erweiterung erfuhr die Kirche um 1757. Das heutige Presbyterium wurde neu gebaut und die ganze Kirche eingewölbt. Auch der Fußboden wurde um einiges gesenkt. Beim Eingang durch den Turm muss man nun einige Stufen hinuntersteigen. Die Einrichtung der Kirche war nun barock. Vielleicht wurde sie von anderen Kirchen der Herrschaft Lockenhaus übernommen. Die schöne Kanzel stammte sicher von einer anderen Kirche und war für diesen Platz zu hoch. Der Engel über dem Schalldeckel musste versetzt werden. Das noch immer vorhandene Hochaltarbild stellt die Pestpatrone Rochus, Sebastian und Rosalia dar. Es stammt vom in der Gegend von Steinamanger bekannten Maler Peter Faber (Bei der Restaurierung des Bildes im Jahr 1971 konnte die Signatur "P. Feber 1759" entziffert werden). Der noch vorhandene Taufbrunnen aus Sandstein dürfte auch von einer anderen Kirche stammen.

Als 1770 Oberloisdorf zur Pfarre erhoben wurde, hat man die Kirche an der Altarseite erweitert. Vermutlich erfolgten auch Umbauten, als sie in protestantischem Besitz war. Im Fußboden der Kirche war eine Grabplatte eingesetzt, von der die kanonische Visitation mit dem Hinweis spricht, dass hier zwei Pfarrer begraben sind. Die Platte aus Sandstein war schon ausgetreten und ließ keine Spuren einer Inschrift erkennen. Sie wurde 1970 entfernt. Einen Hinweis auf diese Zisterzienserpfarrer findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1360. Um 1870 wurden die Barockaltäre entfernt und durch neugotische ersetzt. Sie wurden von einem Tischlermeister aus Steinamanger geliefert und hatten keinen künstlerischen Wert. Auf dem Hochaltar standen die Statuen des hl. Rochus sowie der Apostel Petrus und Paulus. Die Seitenaltäre waren der Gottesmutter und der Mutter Anna geweiht. Die eigentlichen Kirchenpatrone Fabian und Sebastian gerieten nun in Vergessenheit. Da das Fest des hl. Sebastian im Winter ist, wurde immer am Sonntag nach dem Fest des hl. Rochus (16. August) der Kirchtag begangen. Dieser Tag ist in der Gemeinde ein großes Volksfest, zu dem auch die auswärtigen Verwandten kommen. Darum ist es verständlich, dass schließlich nur der hl. Rochus als Kirchenpatron aufscheint.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Kirche für die 800 Katholiken zählende Gemeinde zu klein. Pfarrer Arvoy ließ im Jahre 1903 an der Südseite der Kirche einen Zubau, die „Neue Kirche“ errichten und das Dach wurde verlängert. Die Wand wurde durchbrochen, doch ein Pfeiler verdeckte den Blick zum Altar. Sein Nachfolger Pfarrer Csasar war über diese Lösung nicht glücklich. Nach Fertigstellung der Schule im Jahre 1911 wollte er die erst erweiterte Kirche abreißen und durch einen Neubau ersetzen lassen. Doch Teile der Bevölkerung wollten dem Neubau nicht zustimmen.

Der erste Weltkrieg machte die Verwirklichung dieser Pläne auch unmöglich. 1948 schlug ein Blitz die Turmspitze ab. Die Kirche wurde renoviert und blieb bis 1971 so. Ein zweiter Versuch, eine neue Kirche zu bauen, wurde im Jahre 1958 durch Pfarrer Gratzer unternommen. Nach den Plänen sollte unter

Einbeziehung der alten Kirche ein Neubau errichtet werden. Der Plan fand bei den Gemeindevertretern geteilte Aufnahme. Als Argument gegen den Kirchenbau wurde der notwendige Schulbau gebracht, wodurch die Gemeinde ohnehin schwer belastet sein würde. Nach längeren Verhandlungen gab der Pfarrer den Plan auf, obwohl ein Teil der Bevölkerung schon für den Neubau gespendet hatte.

1971 sollte anlässlich der 200-Jahrfeier der Pfarre auch der Kirchenraum den seelsorgerischen Notwendigkeiten angepasst werden: Der alte Altar wurde auf die Bühne des Pfarrheims gestellt, wo während der Renovierungszeit die Messe gelesen wurde. Die Kanzel und die künstlerisch wertlosen drei Altäre wurden abgetragen. Es wurde ein Terrazzoboden verlegt, neue Bänke angeschafft und eine Elektroheizung installiert. Da der alte Altar nicht von besonderem Wert war, kam ein neuer Altartisch aus Marmor zur Aufstellung, wobei der Priester während der Messe nun zum Volk gerichtet steht. Der Beichtstuhl, der in der neuen Kirche stand, wurde ins Glockenhaus gestellt. Der Haupteingang war ab 1971 durch die neue Kirche. Um einheitlichen Raum zu schaffen, zog man zwischen alter Kirche und dem Zubau einen Träger ein. Der störende Pfeiler konnte dadurch herausgenommen werden. Die farbigen Kanten des Turmes, die beim Abkratzen des Mörtels zum Vorschein kamen, weisen darauf hin, dass die Kirche 1504 erbaut wurde. Das wurde vom Bundesdenkmalamt festgestellt. Der Turm wurde 1971 so bemalt, wie er im 16. Jahrhundert gewesen sein dürfte: Rechtecke abwechselnd rot und gelb, die gegenteilig gerahmt sind, das heißt: die roten Felder sind gelb gerahmt und die gelben Felder sind rot gerahmt.

Umbau der Kirche im Jahr 1991 – 1992: Links und rechts des Mittelschiff kamen zwei gleiche halbrunde Anbauten und der Aufgang zur Empore wurde ins Kircheninnere verlegt. Der Altar wurde ins Zentrum gerückt und die Sakristei befindet sich nun hinter dem Altarraum. Die 300 Sitzplätze wurden so angeordnet, dass man von jedem Sitz aus freie Sicht auf den Altar hat. Alles Organisatorische und die notwendigen Verhandlungen mit den zuständigen Stellen der Diözese sowie mit Architekten, Denkmalamt und den ausführenden Firmen lag in den Händen von Pfarrer Heissenberger. An den Wochenenden wurden unzählige Stunden an freiwilligem Arbeitseinsatz geleistet, darüber gibt es genaue Aufzeichnungen. Natürlich beteiligten sich auch alle Haushalte mit Geldspenden an diesem großen Bauprojekt. Am 3. Adventsonntag 1992 wurde dann in einer feierlichen Zeremonie vom damaligen Bischof DDr. Stefan László die neue Kirche konsekriert.